Interview mit Thorsten Freye (Maler) und Nicole Löser:

 

NL: Welche Maler waren/sind deine Vorbilder?

 

TF: Prinzipiell alle, die gut sind, je nach der aktuellen Interessenlage.

Früher, als ich Landschaften gemalt habe, vorrangig Hopper und C. D. Friedrich, viele italienische Renaissancemaler, die ich alle im Original studiert habe (Italienreisen unternahm ich nach Florenz, Siena, Rom etc.). Tadeusz, bei dem ich studiert habe, finde ich immer noch sehr gut in seiner thematischen Vielschichtigkeit und Mut zum großen Format. Der hatte ebenfalls großen Einfluss auf meine Maltechnik, der Verwendung lasierender Acrylfarbe im großen Format, Verzicht auf Textur zugunsten einer einheitlichen Bildwirkung usw., das sieht man ja.

 

Später dann, bei den Industriebildern, immer noch Hopper plus Charles Sheeler und die großen Kunstlichtmaler: Caravaggio, George de la Tour, Rubens. Es ging eigentlich um die Transformation der großen Renaissance- und Barockmalerei in das Thema der industriellen Produktion.

 

Die aktuellen Arbeiten sind eher eine Auseinandersetzung mit dem Surrealismus und der Pop Art, die ich für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als treibende und bis heute gültige Kräfte empfinde.

Als Künstler wären da zu nennen: Max Ernsts graphisches Werk´(die Bilder mag ich nicht), einige Gemälde von Dali, James Rosenquist, Alex Katz, die pornografischen Fotos von Jeff Koons, David Salle, Eric Fischl, die "Magelan-Serie" von Richard Longo, auißerdem fand ich das grafische Werk von Degas und die Bilder von Manet sehr inspirierend, bezüglich meiner im Moment starken Neigung zur Zeichnung.

 

NL: Welches Verhältnis hast du zur Farbe?

 

TF: Ein gutes aber immer dem Motiv und der Bildwirkung untergeordnetes. Farbe ist sehr befriedigend in ihrer Verwendung aber war für mich nie Selbstzweck.

 

NL: Machst du Vorskizzen?

 

TF: Früher gelegentlich aber immer unbefriedigend. Ich habe eine sehr klare Vorstellung davon, in welcher Größe die Motive wirken, darum arbeite ich schon seit langer Zeit im Originalformat ohne Vorskizzen, d. h. auch die monumentalen Gemälde haben eine Kohlezeichnung im realen Format unter sich begraben. Seit ich einen Projektor besitze, hat sich die Arbeitsweise noch einmal grundlegend geändert, da ich jetzt ohne jegliche Vorzeichnung mit dünner Acrylfarbe direkt ans Bild gehe. Wahrscheinlich hat das erst zur Emanzipation der grafischen Arbeiten auf Papier, als eigenständigen Werkanteil, geführt. Früher hat mich das nie ernsthaft interessiert.  

 

NL: Was sind Auslöser deiner Bilder? Welches Ausgangsmaterial benutzt du?

 

TF: Am Anfang war es direkte Naturanschauung und Empfindung. Später dann immer stärker fotografische Vorlagen, allerdings immer selbst gefundene und fotografierte Motive. Neuerdings immer häufiger vorgefundenes und schon produziertes Abbildungsmaterial aus allen möglichen Printmedien, siehe Pop Art.

 

NL: Bist du auf der Suche nach Motiven, die deine Sicht verkörpern oder stellst du die Welt dar, wie sie ist?

 

TF: Schwierige Frage. Eigentlich beides. Ich sehe die Welt so, wie sie sich mir darstellt und versuche meinen persönlichen, malerischen Kommentar zu finden, der meist recht ironisch ausfällt, in letzter Zeit. Früher war ich wohl noch ein wenig idealistischer.  

 

 

NL: Welche Sicht nimmst du ein und wie nimmst du deine Bilder wahr?

 

TF: Ich bin immer der erste Rezipient meiner Arbeit. Ich halte permanent Zwiesprache mit den Bildern. Das Verhältnis ist immer das der permanenten Reflexion meiner Gedanken in Bildsprache. Malen und Denken sind die erotisch erfüllendsten Tätigkeiten, sofern man diese in einem erweiterten Kontext betrachtet.

 

NL: Zum Fundus deiner Bildmotive gehören pornografische Darstellungen.Was reizt dich daran? Die Auseinandersetzung mit dem Sujet der Aktmalerei oder die malerische Erfassung von Körpern?

 

TF: Auch wieder beides. Ich halte die Pornografie für das ehrliche Ende der Aktmalerei bzw. der Darstellung des erotischen Aktes physischer Natur, andererseits liegt das Wesen der Erotik natürlich, philosophisch grundiert viel tiefer.

 

NL: Künstler möchten oft etwas offen legen oder die Dinge durchdringen. Gibt es solch einen Antrieb für deinen Schaffensprozess?

 

TF: Klar! Genau das oben Beschriebene. Ich bin sehr ehrlich in meiner Kunst und stelle meine Aussage zur Disposition.

 

Das Interview entstand anlässlich der Ausstellung projection playground 2007 in der beat. Galerie.